Biografie


Kein Regisseur hat das deutsche Theater fünf Jahrzehnte lang so aufgewühlt, verändert und dominiert. Er ist einer der berühmtesten! Doch Zadek war nicht nur Theater Regisseur- er hat auch erfolgreiche Filme wie „Ich bin eine Elefant, Madame“ gedreht. Seit mehr als 40 Jahren provoziert und fasziniert er das Publikum. Nun ist Zadek tot, doch das Theater lebt weiter...

19.Mai 1926 Berlin-Wilmersdorf: Peter Zadek erblickt als Sohn einer jüdischen Familie das Licht der Welt, sein Vater war Kaufmann und seine Mutter stammte aus einer, reichen gutbürgerlichen Bankiersfamilie. 1933 emigrierte er mit seiner Familie nach London und nachdem ihnen klar wurde, als Jude könne man nicht zurück nach Deutschland, zogen sie ins ruhigere Oxford. Schon als Kind besuchte Peter oft das Theater und wünschte sich, selber einmal ein Theater zu inszenieren. Doch zunächst entschloss er sich zu einer Ausbildung als Lehrer. Während dieser Ausbildung hielt er Kontakt zu einem Theater und kurze Zeit später, entschloss er sich endlich Regisseur zu werden. Mit 21 Jahren begann er seine Ausbildung zum Regisseur und inszenierte für verschieden britische Provinztheater. 1958 erhielt er eine Einladung des „Theaters am Dom Köln“ und reiste zum ersten Mal nach seiner Emigration wieder nach Deutschland. Dort lernt er den deutschen Regisseur und Theaterleiter Kurt Hübner kennen, der ihn mit nach Ulm nahm. Zadeks erste Inszenierung (Der Kaufmann von Venedig) in Ulm sorgte für Aufsehen, , da ihm Antisemitismus vorgeworfen wurden, aufgrund der negativen Darstellung des Juden Shylock. Auch in Bremen sorgten Peter Zadek und Kurt Hübner in den 60er Jahren für großes Aufsehen. Der Grund dafür waren die wilden Inszenierungen Zadeks und die Bühnenbilder. Durch seine Erfolge in Bremen, wurde er zum Intendant am Schauspielhaus Bochum gemacht (1972-1979). Nach seiner Zeit in Bochum arbeitete er als freier Regisseur und übernahm von 1985 bis 1990 die Intendanz am Schauspielhaus Hamburg. Danach war er an allen großen deutschsprachigen Bühnen als freier Regisseur tätig. Zadek erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen und wurde mehrfach von den Kritikern von „Theater heute“ zum Regisseur des Jahres gewählt.

Im alter von 83 Jahren starb Zadek aufgrund einer schweren Krankheit in Hamburg Peter Zadek war bereits seid einigen Jahren schwer erkrankt. Deshalb zerschlug sich im Frühjahr 2007 auch sein Traum von einer eigenen "Shakespeare-Company".


Was war das besondere an seiner Arbeitsweise?

„Meine Arbeitsweise ist riskant.“, dies sagte Zadek in einem Interview mit „WELTONLINE“ Es stimmt, sie ist riskant, doch sein Ziel ist es, dass sich die Schauspieler öffnen, sich neu erfinden sollen, um alle denkbaren Facetten ihrer Figur glaubwürdig werden zu lassen. Er schreibt seinen Schauspielern keine genauen Regeln vor, lässt sie „einfach machen“, genießt die Improvisation. Er versucht aus langen und geduldigen Vorgängen den Theaterfiguren durch die Schauspieler zum Leben zu verhelfen. Die Beziehung von der Figur zu Zadek und zu den Schauspielern wird in vielen Arten neu entdeckt und immer wieder neu definiert. Jeder Durchlauf einer Szene wurde neu gestaltet und war in vielen Dingen sehr verschieden. Er ließ jeden Schauspieler in seinem eigenem Tempo arbeiten, da er wollte, dass sie sich ganz in die Rolle rein leben können. Er wollte sie nicht zu „Kleiderständern“ machen, die einfach ihr Kostüm anziehen und ihren Dialog sprachen. Zu dieser Zeit war dieses Vorgehen sehr ungewöhnlich und die Schauspieler dachten ,“er sei verblödet“. Michael Degen, der 1959 die Hauptrolle in Caragiales "Der verlorene Brief" spielte, ging zum Intendanten und klagte, der Zadek, der ist gar kein Regisseur, der sagt nichts. In seiner Biografie schreibt er:“ Ich kenne kein “Los!“. Das Wort, von einem Regisseur oder dem Inspizienten am Anfang der Probe gesagt, ist für mich das Ende der Probe. Hoffnungslos. Als käme jemand herein und sagte: „Vorhang auf, fangen sie an zu ficken.“ Stattdessen beobachtet Zadek die Schauspieler auf der Bühne, wartete ab... . Irgendwann beginnen die Schauspieler mit ihren Texten und die Probe verläuft großartig. Erst langsam gewöhnten sich alle an seine Arbeitsweise.


Was wollte Peter Zadek mit dem Film „Ich bin ein Elefant, Madame“ erreichen?

In dem Lexikon für Filmkritiken gibt es dazu die Kritik:„Stilsicher gefaßte Zeitkritik, die die allgemeinen Standpunktsuche zwischen den extremen Positionen von Autoritätsbeharren und sozialrevolutionärem Bewußtsein und die damit verbundenen Identitätskrisen, teils mit schockierenden Mitteln, zu spiegeln versucht.“ Und genau dies ist es, was uns Peter Zadek mit dem Film vermitteln wollte. Zadek wollte mit diesem Film deutlich machen, wie sehr vor allem die Lehrer in den 60ziger noch an die althergebrachten Form von Schule festhielten. Immer wieder gibt es provokante Szenen wie zum Beispiel die Hakenkreuzschmiererei womit der Sinn dieses Filmes verdeutlicht wird. Anders als andere Regisseure saß Zadek bei seinen Premieren in einer der ersten Reihen im Parkett, halb links oder halb rechts, den Kopf in die Hand gestützt, im Sessel halb lümmelnd, er war total entspannt. Er langweilte sich nicht, denn sein Theater war nicht bis aufs kleinste Detail geplant.