Leseprobe
Abschiedslied an Helmstedt
 
 

Du Ehrenwald,
o Aufenthalt
so viel berühmter Hirten!
Hast mich bisher
Drei Jahr und mehr
Gewürdigt zu bewirten:
Nun aber geh
Ich weg, Ade!
Ich mache mich von hinnen
Und suche mir
Ein Lustrevier
Von andern Dryadinnen.
Ich hatte mich
Fast ganz in dich,
o süßer Ort, verliebet,
ob du mich schon
mit Spott und Hohn
hast mannigmal betrübet.
Die Mißgunst hat
Manch heißes Bad
Mir zuzurichten pflegen.
Der blasse Neid
Hat alle Zeit
Gelauert auf meinen Wegen.
Verfolgung schrie:
Hie ist er, hie!
Ich will ihm eins versetzen.
Verleumdung sprach:
Ich tracht ihm nach,
will seinen Ruhm verletzen.
O aber seht,
mein Unschuld steht
und schwing die Siegesfahne.
Es grünt mein Preis,
weil mein Preis,
weil ich durch Fleiß
den Weg zu Tugend bahne.
Auch meinen Mut
Bricht keine Glut,
kein Wetter, keine Bürde.
Ich schmiege mich
Geduldiglich
Und bleib in meiner Hürde.
Kein Krötengift,
kein Unheil trifft,
mich gänzlich zu verderben.
Kein Dornenriß,
kein Schlangenbiß
gereichet mir zum Sterben.
Ich werd allein
Noch übrig sein
Von denen, die mich plagten,
die Tag und Nacht
darauf gedacht,
wie sie mich bald verjagten.
Nun sind sie fort
Von diesem Ort,
und ich muss auch verreisen.
Der Schäferzunft
Zusammenkunft
Wird mich noch öfter preisen.
Es kann ja kaum
Ein Wald, ein Baum,
auf dessen weicher Rinde
man nicht von mir,
bald dort, bald hier,
was eingeschnitzet finde.
Drum gute Nacht,
hier ist vollbracht
mein Leiden und Ergötzen.
Ich zieh jetzt ab,
will meinen Stab
von nun an weiter setzen.
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