Biographie
Gottfried August Bürger

Am 31.12. 1747 wurde Gottfried August Bürger in Molmerswende, einem abgelegenen Dorf im Harz, geboren. Er war das zweite von drei Kindern eines protestantischen Landgeistlichen, dem Pfarrer Johann Gottfried Bürger und seiner Frau Gertraud Elisabeth Bürger, geborene Bauer. Nachdem der Vater seinem Sohn das Lesen und Schreiben beigebracht hatte, schickten ihn seine Eltern nach Aschersleben zu seinem Großvater mütterlicherseits, wo er eine Stadtschule besuchte. Nach dem Abgang von dieser Schule wurde Bürger in das Pädagogium in Halle versetzt. 1764 ging er dann auf die Universität Halle, in der sich Bürger für das Theologiestudium eintrug. In den drei Jahren, die Bürger auf der Universität verlebte, schloss er Freundschaft mit Christian Adolph Klotz, (einem Professor der Philosophie und der Beredsamkeit), der sein bislang noch nicht entdecktes Interesse für die klassische Philologie erweckte.

Als sich Bürger auf Wunsch seines Großvaters im Jahr 1768 an der Göttinger Georg-August- Universität an der juristischen Fakultät immatrikulierte, fing ein neuer Lebensabschnitt für ihn an. Hier konnte er disziplinierter und ohne die ständigen Abwechslungen von Halle studieren. Das kann man unter anderem daran erkennen, dass er in der Universitätsbibliothek eine Vielzahl von Büchern auslieh. "Wenn jeder von den 678 Studenten, die 1770 in Göttingen waren, ebensoviel Bücher benutzt hätten wie Bürger, so hätten über 14 000 Werke verliehen sein müssen, während nur etwa 3000 an Studenten verliehen wurden." (Scherer, 1995, S.147) Dabei waren nicht nur juristische Fachbücher, sondern auch poetische Texte klassischer Autoren. Sein Interesse an Philologie und Literatur wuchs, er begann seine ersten literarischen Texte zu schreiben. Zu dieser Zeit wohnte Bürger in der Innenstadt Göttingens, Rote Straße 28.

Bürger freundete sich mit Heinrich Christian Boie an, dem Herausgeber des Göttinger Musenalmanachs, und pflegte Bekanntschaften mit den übrigen Mitgliedern des Göttinger Hains. Bürger schrieb nun für den Göttinger Musenalmanach und machte sich zum ersten Mal Gedanken über die Übersetzung des Homer.

Nachdem er 1772 sein juristisches Studium abgeschlossen hatte, empfahl ihn Boie für eine Stelle als Gerichtshalter in dem von Uslarischen Gericht Altengleichen mit Sitz in Gelliehausen bei Göttingen, eine Stelle, die er insgesamt zwölf Jahre bekleidete. Bürger zog nach Gelliehausen. 1773 erschien die berühmte Ballade "Lenore", die Bürger zum Begründer der deutschen Kunstballade werden ließ.

Ein Jahr später verlegte er seinen Wohnsitz in das benachbarte Niedeck und freundete sich mit der Familie des dortigen Amtsmanns Johann Carl Leonhardt an. Am 22.11. 1774 heiratete er dessen ältere Tochter Dorothea Marianne (genannt Dorette) Leonhardt. Doch gleichzeitig hegte er eine große Liebe zu ihrer jüngeren Schwester Auguste, Molly genannt. 1775 zog das Ehepaar Bürger zusammen mit Molly in das (in der Nähe gelegene) Wöllmarshausen. Eine tragische Dreiecksbeziehung nahm ihren Anfang, unter der alle drei Beteiligten ihr Leben lang litten. Molly bekam einen unehelichen Sohn, zur Geburt wurde sie zu Verwandten gebracht, wo auch der gemeinsame Sohn aufwuchs. Bürgers Frau Dorette willigte in eine Ehe zu dritt ein.

Bürger litt immer mehr unter den Amtsgeschäften, die seine dichterische Kreativität beeinträchtigten. Trotzdem erschien in den zwei darauffolgenden Jahren die erste Ausgabe seiner Gedichte. 1779 wurde Bürger der neue Herausgeber des Göttinger Musenalmanachs. 1780 unternahm Bürger wieder einen Versuch zur Selbstbefreiung von finanziellen Nöten: Er pachtete das Untergut Appenrode (bis 1784) und begann neben seiner Tätigkeit als Amtmann Landwirtschaft zu betreiben.

1781 begann der Prozess gegen die Kindsmörderin Catharina Erdmann. Bürger hatte den Prozess zu führen, die Entscheidung über das weitere Schicksal der Delinquentin lag bei einer Gruppe von Göttinger Juristen. Wie an dem später von Bürger veröffentlichen "Protokoll einer Kindsmörderin" deutlich wird, ließ er sich von einem Mitgefühl für die junge Frau leiten, was sicher auch in seinem eigenen privaten Elend begründet war. Dieser Fall trug auch zu der Fertigstellung der schon länger geplanten Ballade "Des Pfarrers Tochter von Taubenhain" bei.

1783 folgten erneute Angriffe der Familie von Uslar gegen Bürgers Amtstätigkeit, daraufhin verfasste Bürger eine Rechtfertigungsschrift. Doch obwohl es klar war, dass der Prozess von der Regierung in Hannover zugunsten von Bürger entschieden würde, quittierte dieser seine Amtsmannstelle.

Am 30.07. 1784 starb Dorette an den Folgen der Geburt einer Tochter, die ihre Mutter nur kurz überlebte. Kummer, Freude, Gewissensbisse und Freiheitsgefühle mischten sich in Bürger. Ein Jahr später heiratete seine Schwägerin Molly. Auch sie starb ein knappes Jahr später an den Folgen einer Geburt.

Seit 1784 lebte Bürger wieder in Göttingen. Er erhielt eine Stelle als Privatdozent und später als außerordentlicher Professor an der Universität Göttingen, und zwar nicht in seinem Studienfach (Jura), sondern an der Philosophischen Fakultät (Stilkunde in der deutschen Sprache).

1786 veröffentlichte Bürger seine berühmten Lügengeschichten des "Barons von Münchhausen", die weltweiten Erfolg erzielten, ihm jedoch kaum Einkünfte einbrachten, genauso wie seine Arbeit an der Universität außerordentlich schlecht bezahlt war. Im Jahr 1790 heiratet Bürger ein letztes Mal: die 23 Jahre jüngere Elise Hahn. Die Ehe war ausgesprochen unglücklich und wurde schon zwei Jahre später geschieden.

Am 8.06 1794 starb Bürger einsam in einem Gartenhäuschen in Göttingen.

Er wurde auf dem Batholomäusfriedhof in Göttingen beerdigt.


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Inhaltsangabe des Romans "Vermutungen über ein argloses Leben"

Biographische Notiz Herbert Günther